Das Selbstexperiment: 1 Monat ohne Zucker

4. November 2015 • Blog, Selbstexperimente, SLIDERKeine Kommentare

sugarfree_sEin Monat ohne industriellen Zucker war das Ziel von Felix. Grund für dieses Selbstexperiment war einerseits seine hohe Zuckerabhängigkeit sowie die Feststellung, dass Zucker in der Regel uncool produziert wird: sei es konventioneller Rübenzucker aus Deutschland, der in riesigen Fabriken mit hohem maschinellen Aufwand geerntet und mit dem Verlust vieler Mineralstoffe und Vitamine produziert wird; sei es Bio-Rübenzucker, der in seiner Herstellung ebenfalls sehr aufwändig ist; oder Rohrzucker (aus dem Globalen Süden), Agavendicksaft (meist aus Mexiko) und Ahornsirup (meist aus Kanada), die allesamt von weit weg kommen und durch die hohen CO2-Emissionen beim Transport nicht gerade klimafreundlich sind. Deshalb entschied sich Felix für einen industriezuckerfreien Monat (das heißt Obst und Trockenfrüchte waren okay). Hier der Bericht:

Der erste Tag begann – wie es bei einem Zuckerjunkie nicht anders zu erwarten war – mit einem Heißbegehren im Halbschlaf und dem starkem Verlangen nach Schokogeburtstagskuchen, den ich meiner Schwester gebacken hatte. Ich war von Beginn an bereits kurz davor das ganze Experiment um einen Tag zu verschieben, konnte mich dann aber durchringen zu starten.

Erste Schwierigkeiten hatte ich beim Thema Ketchup: Bei einem Hoffest gab’s nur Ketchup, keinen Senf, sodass ich ein Sojasteack im Brötchen ohne alles aß – war trotzdem lecker!

Ebenfalls bei Salatdressings ist es schwierig auf Zucker zu verzichten. Ich machte schließlich eine Sojanaise – recht fettreich, aber eine gute Alternative.

Meinen ersten Fail hatte ich mit Senf, bei dem ich nicht dachte, dass er Zucker enthält. Nicht alle Senfsorten enthalten Zucker, aber einige. Immer genau auf die Tube / da Glas gucken!

Nach vier Tagen hatte ich den Eindruck, dass zuckerfrei zu leben gar nicht so schwer sei. Körperlich merkte ich, dass ich nicht mehr so schlapp und müde wie sonst war. Trotzdem gab es immer wieder Herausforderungen: vegane Schoki, Kuchen, Muffins im Büro…

Weitere Fails folgten mit Weißssauerkraut, Schwarzbrot mit hohem Malzanteil (enthält Glukose), bei denen ich erst im Nachhineine Zucker als Zutat bemerkte.

Zum Kompensieren aß ich übrigens ab und zu Chips und Nüsse, wobei auch in einigen Chipssorten Zucker verarbeitet ist. Insgesamt merkte ich aber beim Selbstexperiment, dass ich allgemein bewusster auf meine Ernährung achtete und weniger schwarzer Tee, weniger Chips, weniger verarbeitete Sachen und auch weniger Alkohol zu mir nahm.

Ein weiterer Fail war abends beim Ausgehen in einer Kneipe. Die Kellnerin kam sehr schnell und ich bestellte spontan „Himbeerlimo“. Erst als ich daran nippte, dachte ich „Aaaaargh ZUUCKER!“ Ich fühlte mich ziemlich blöd und trank die leckere Limo trotzdem.

Im Laufe des Experioments merkte ich, dass ich mich recht fit fühle. Nur wenn ich viel aß, war ich trotzdem platt.

Herausfordernd war Brotfrühstück, da ich gerne süß esse. Meine Alternative: Öl aufs Brot. Da das mit der Zeit öde wird, frühstückte ich deshalb meist Müsli.

Als süßer Zwischensnack naschte ich immer wieder Nüsse, Rosinen, Datteln (nur weil’s noch welche zuhause gab), Obst, Salat & Gemüse. Definitiv gesünder als sonst.

Eine weitere Herausforderung war mein Anspruch, mich gleichzeitig weiterhin möglichst vegan sowie regional & saisonal zu ernähren. Das hieß z.B. Bananen bleiben ein Nogo!

Bei dem Selbstexperiment merkte ich, wie wichtig eine gewisse Fehlertoleranz ist. Bloß nicht in einen Kontroll- & Disziplinierungswahn geraten. So habe ich zum Beispiel in einem Restaurant nicht alle Saucen genau überprüft.

Die letzten Tage wurde ich etwas ungeduldig. Ich hatte keine Lust mehr auf diese recht starre selbstgesetzte Grenze. Trotzdem klappte alles recht gut und bis zum letzten Tag war das Experiment im Großen und Ganzen erfolgreich.

Nach dem Experiment ist vor dem Experiment. Wie würde mein 1. Tag mit Zucker: aussehen? Wie geht’s weiter? Mein Ziel war natürlich nicht all das zu kompensieren, was ich vorher an Zucker eingespart hatte: also nicht im Oktober doppelt so viel Zucker wie im Juli zu essen. Stattdessen war mein Plan bewusster auf Zucker in Lebensmitteln zu achten und weniger zu konsumieren; morgens mehr Müsli zu essen statt mir jeden Tag einen „Zuckerflash“ aufs Brot zu schmieren. Mein erstes Mal wieder Zucker war dann aber doch beim Frühstück Brot mit Marmelade und Kokos-Aufstrich. Ich sage euch: es war ein Traum, aber danach auch irgendwie gar nicht so besonders. Der erste Tag war dann doch ziemlich zuckervoll, mehr als gewollt. Abends naschte ich Kekse und andere zuckerhaltige Sachen. Ich merkte, wie schnell wieder mein suchtähnliches Muster zurückkehrt: Dass ich abends nach Hause komme und sofort an Süßigkeiten denke, dass ich auf einmal glaube, ich bräuchte das, mich überall nach Süßem auf die Suche mache, und erst ein bisschen nasche und dann merke, dass ich mehr will, mich dann etwas vollfresse und danach schwer fühle, müde & träge werde.
Gefährlich, aber dadurch wurde mir dieses Verhalten bewusster wie nie zuvor.

Mein Fazit ist: Es war eine mega spannende Erfahrung, ich habe viel dazu gelernt und bemerkt, dass es geht grundsätzlich schon mit deutlich weniger Zucker geht. Gut für mich, meine Gesundheit/Fitness und die Umwelt 🙂

Ich freue mich über Rückmeldungen zum Experiment. Wenn Ihr Lust habt, ein Selbstexperiment durchzuführen und zu posten: Sagt uns einfach Bescheid und wir veröffentlichen es auf unserer Seite.

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