Bericht: Irrfahrt in der Landwirtschaft

25. August 2016 • BlogKeine Kommentare

Bei autonomen Schweinen, schnarchenden Katzen und unglücklichen Hähnchen

Fahrradseminar „Irrfahrt in der Landwirtschaft“

Auf welchem Hof möchtest du am liebsten Tier sein?“ Die Frage stellten wir uns in der Abschlussrunde unseres Fahrradseminars zu Landwirtschaft. Auf unserer fünftägigen Radttour hatten wir insgesamt fünf Betriebe besichtigt, die nach ganz unterschiedlichen Prinzipien wirtschaften. Eine Teilnehmerin wäre am liebsten Schwein auf dem Laakenhof, ein diverser Bioland-Betrieb, der von einer Gemeinschaft bewirtschaftet wird. Die Tiere dort hatten ein großes, verwildertes Terrain. Als unsere Gastgeber uns die Schweine zeigen wollten, hatten sie in den letzten Winkel der ehemaligen Apfelplantage verzogen, offenbar hatten sie keine Lust auf Besuchergruppen – kein einziger Ringelschwanz war zu sehen. Auch irgendwie sympathisch! Jemand anders wollte am ehesten Kuh sein auf Schloss Körtlinghausen. Die Kühe können in einem hellen Stall des Demeter-Betriebes nach Belieben umhergehen; und verbrachten sowieso die meiste Zeit auf den saftigen, hügeligen Weiden des Hofgutes. Ein Anwesen, dass so fotogen ist, dass es aktuell als Kulisse für einen Fernsehfilm dient (was zugegben, die Kühe nicht so interessieren wird). Aber niemand wollte Hähnchen im Mastbetrieb von Ruploh sein. Der aufgeschlossene Besitzer gab uns die Gelegenheit, den Stall mit rund 40.000 Hühnern zu besichtigen. Der Boden des riesigen Raumes ist weiß vom Gefieder der Tiere, die dicht an dicht aneinanderhocken oder -herumwuseln. Diese Hühner werden nie an einem echten Käfer picken und nie das Tageslicht sehen – bis zu dem Termin, an dem sie zum Schlachthof transportiert werden. „O.k.“, sagt ein Teilnehmer. „Die Schweine auf dem Laakenhof haben ein ein schöneres Leben. Aber letztendlich sind auch sie nur dazu da, von uns geschlachtet und gegessen zu werden. Selbstbestimmt ist was anderes.“

_1140385v1Die Diskussionen auf unserem Seminar drehten sich nicht nur um Tierhaltung. Wir beschäftigten uns mit Lebensmittelverschwendung, der Milchkrise und der ganz praktischen Distelbekämpfung auf dem Gemüseacker. Außerdem frühstückten wir mit leckeren hausgemachten Käse vom Laakenhof und schliefen in Heuschobern zwischen schnarchenden Katzen. Ganz sicher blieben wir nicht zwischen vier weißen Wänden eines Seminarraumes sondern lernten in der freien Wildbahn – Bildung in Bewegung!

 

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